29. April 2022 Pferde richtig anweiden Slider

Pferde richtig anweiden: Das solltest du beachten

Ein Gastbeitrag von Zelthandel.de

Pferde richtig anweiden: Das solltest du beachten

Werden die Wiesen im Frühling wieder saftig grün, freuen sich Reiter und Pferde gleichermaßen auf schöne Stunden im Freien. Am liebsten würde man sein Pferd sofort den ganzen Tag auf die Weide stellen, damit es das frische Gras richtig genießen kann. Weil es durch einen abrupten Futterwechsel aber zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen kommen kann, ist das richtige Anweiden wichtig.

Warum sollte man Pferde unbedingt anweiden?

Pferde ohne Gewöhnungsphase von einen Tag auf den anderen auf eine Grasweide zu stellen, kann sehr gefährlich sein. Denn Gras ist viel nährstoffreicher als Heu und enthält wesentlich mehr Eiweiß und Fruktane. Diese sind für Pferde schwer zu verdauen, wenn sie nicht daran gewöhnt sind, und können diverse Magen-Darm-Probleme (z. B. Durchfall oder Koliken) sowie Hufrehe auslösen. Deshalb muss man beim Anweiden behutsam vorgehen und die Pferde Schritt für Schritt an das neue Futter gewöhnen.

So weidet man Pferde richtig an: 9 Regeln

Damit das Anweiden problemlos über die Bühne geht und die Pferde das Gras auch richtig genießen können, sollte man auf die folgenden 9 Dinge achten:

1. Den besten Zeitpunkt zum Anweiden wählen

Je nachdem, wie lang und frostig der Winter war, starten die meisten Pferdebesitzer das Anweiden zwischen März und Mai. Es ist jedoch nicht nur der Monat entscheidend, sondern auch das Wetter. Bei Sonnenschein, Frost oder starker Trockenheit bilden sich nämlich viele Fruktane und viel Eiweiß im Gras, die auf den Magen und Darm schlagen können. Zu diesen Zeiten sollte man das Anweiden lieber nicht beginnen.

Besser ist ein Start bei trübem, leicht regnerischem Wetter und mäßigen Temperaturen. Unter diesen Wetterbedingungen ist das Gras besser verdaulich.

2. Niemals hungrig anweiden

Sehen die Pferde im Frühling die ersten Grasflächen, stürzen sie sich meist gierig darauf. Frisches Gras auf leeren Magen kann jedoch gerade am Anfang der Weidesaison zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Deshalb sollten sie vor dem Gang zur Weide unbedingt Heu fressen. Das sorgt für ein geringeres Hungergefühl und vermeidet gieriges Überfressen auf der Koppel. Außerdem kommt durch die Heuportion der gesamte Magen-Darm-Trakt in Schwung und das nährstoffreiche, frische Gras kann besser verdaut werden.

3. Kurzes Gras und gemähte Weiden vermeiden

Für ein schonendes Angrasen sollte die Weide möglichst nicht gemäht sein. Denn durch das Mähen produziert das Gras mehr Energie und Fruktan. Das sollte bei empfindlichen Pferdemägen vermieden werden.

Stattdessen ist hoch gewachsenes, ungeschnittenes Gras gut zum Anweiden geeignet – eine Gras-Höhe von rund 20-25 cm wäre optimal. Denn je höher das Gras, desto höher auch der Rohfasergehalt und desto weniger Eiweiß und Zucker sind enthalten. Das macht „älteres“ Gras verträglicher für den Pferdemagen.

4. Weidezeiten langsam steigern

Beim Anweiden ist das Um und Auf das richtige Timing. Je nachdem wie empfindlich das jeweilige Pferd ist, startet man am besten mit 5-10 Minuten Grasen pro Tag. Nach drei bis vier Tagen kann man die Weidezeit dann täglich um weiter 5-10 Minuten steigen, sofern keine Verdauungsprobleme auftreten. Sollte dies der Fall sein, muss man nochmal einen Schritt zurück gehen und die Weidezeit wieder verkürzen, bis sich die Darmflora stabilisiert hat.

Läuft alles glatt, kommt man nach einer Woche auf eine Weidezeit von ca. 45 Minuten. Ist man bei rund einer Stunde angelangt, kann täglich in 15-Minuten-Schritten gesteigert werden, bis die gewünschte Weidezeit erreicht ist.

Insgesamt sollte man sich für das Anweiden mindestens 2-4 Wochen mit täglichem Grasen Zeit nehmen, bevor man das Pferd stundenlang auf die Weide stellt. So lange braucht nämlich die gesunde Pferde-Darmflora, um sich komplett auf das neue Futter umzustellen.

5. Wasserversorgung sichern und Schattenplätze bieten

Viele Pferde werden durstig, wenn sie viel Gras fressen. Deshalb ist es wichtig, dass ihnen auf der Koppel genügend frisches Wasser zur Verfügung steht – insbesondere im Sommer. Ebenso wichtig ist ein geeignetes Schattenplätzchen. Das verhindert, dass die Pferde bei warmen Temperaturen Kreislaufprobleme bekommen und der Stoffwechsel zusätzlich belastet wird. Dafür eignet sich ein fix montierter Holz-Unterstand ebenso wie ein mobiles Weidezelt oder ein hochgewachsener Baum.

6. Täglich bewegen

Um Kreislauf und Stoffwechsel anzukurbeln, ist tägliche Bewegung beim Anweiden unerlässlich. Dabei ist es egal, ob es ein gemütlicher Spaziergang oder eine anstrengende Dressureinheit ist – Hauptsache Bewegung! Ist der gesamte Organismus in Schwung, tut sich das Pferd leichter mit dem Verdauen.

7. Nach Weidepausen wieder neu ans Gras gewöhnen

Hatte ein Pferd eine mehrtägige Koppelpause, sollte man besonders vorsichtig sein. Denn der Pferdekörper entwöhnt sich schon nach wenigen Tagen komplett vom Gras. Die Bakterien, die das Pferd braucht, um Gras zu verdauen, bilden sich nämlich nur dann, wenn es konstant Gras zu fressen bekommt. Das bedeutet, dass man sein Pferd nach einer Weidepause wieder in kleinen Schritten neu ans Gras gewöhnen muss.

8. Auf Warnanzeichen achten

Nicht bei jedem Pferd verläuft das Anweiden problemlos. Empfindliche Tiere können vom Gras Kotwasser und Durchfall bekommen. Im schlimmsten Fall können sie sogar eine lebensbedrohliche Kolik entwickeln oder einen heftigen Reheschub bekommen. Deswegen gilt es insbesondere beim Anweiden auf erste Warnzeichen einer Unverträglichkeit zu achten und im Falle sofort zu handeln. Die Weidezeit soll dann auf keinen Fall weiter gesteigert werden. Dauern die Symptome an, sollte zudem ein Tierarzt zu Rate gezogen werden.

9. Nicht gleichzeitig anweiden und entwurmen

Um eine doppelte Belastung für den Stoffwechsel zu vermeiden, sollte man nicht entwurmen, während die Pferde angeweidet werden. Der Pferdekörper hat mit der Gewöhnung an das Gras schon genug zu tun – da sollten keine weiteren Belastungen dazukommen. Vor dem Beginn der Weidesaison oder dann, wenn die Pferde schon ans Gras gewöhnt sind, ist der Zeitpunkt für die Wurmkur besser.

Lieber nicht auf die Graskoppel: Bei diesen Pferden sollte man vorsichtig sein

Gesundheitlich vorbelastete Pferde, die allgemein unter Verdauungsproblemen oder Stoffwechselerkrankungen leiden bzw. zu Hufrehe neigen, sind besonders behutsam umzugewöhnen. Denn ihnen kann die Umstellung auf das Gras sehr schwerfallen und ihre Krankheitssymptome können sich verschlechtern. Auch bei Pferden mit starkem Übergewicht und Allergien ist beim Anweiden Vorsicht geboten. In einigen Fällen ist es sogar ratsam, solche Pferde gar nicht dauerhaft auf eine Graskoppel zu stellen – um die Gesundheit auch auf lange Sicht so gut wie möglich zu erhalten.

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